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Mittwoch, 23. September 2015

Artikel 20 – ein Regulierungswildwuchs

... Martinas neues Testament 



Der Artikel 20 der EU-Richtlinie 2014/40/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 03. April 2014 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen und zur Aufhebung der Richtlinie 2001/37/EG hat das Zeug dazu, nicht nur zur heiligen Schrift der Abteilungsleiterin des Deutschen Krebsforschungszentrums - Stabsstelle Krebsprävention und WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle zu werden (man verzeihe mir hier bitte die langatmige Bezeichnung), sondern – und das noch viel mehr – zu einer weiteren Regulierungsabsurdität abseits der Krümmung der Banane zu werden.




Ich denke, damit habe ich schon einmal ganz gut meine grundsätzliche Einstellung gegenüber der mit Mai 2016 in Kraft tretenden EU-Richtlinie zum Ausdruck gebracht.
Und eigentlich könnte ich hier schon wieder aufhören und statt einem langatmigen Text schöne Bilder von schönen Menschen mit Dampfgeräten reinstellen, ein paar Wortkreationen unter Anführungszeichen stellen, damit es wieder ein wenig Aufregung gibt und gut ist's …...

Eigentlich …

Weil es offenbar ohnehin allen egal ist, was da für ein Schwachsinn auf uns Dampfer, Händler und Hersteller in Österreich zukommt.
Wohl gemerkt: in Österreich ….
Wie ich auf diese Feststellung komme? Ganz einfach:
Seit April – genauer gesagt seit dem 03.04.2015 ist dieser Regulierungswahnsinn offiziell verlautbart und für jeden, der sein Business ernst nimmt und nicht nur auf den schnellen Euro aus ist – also auch das vorauszusetzende betriebswirtschaftliche Interesse für eine zukunfts- und marktorientierte Unternehmensführung mitbringt – offen und ohne Barrieren sogar in deutscher Sprache einsehbar.
Und seit nunmehr fünf Monaten gibt es - außer ein paar gut gemeinter Ansätze zu Diskussionen zu dem Thema: nichts.

Konstruktive Vorschläge? Keine.
Eine professionelle Aufarbeitung der Richtlinie durch anwaltlichen Beistand: Fehlanzeige.
Politisches Lobbying: nicht einmal im Ansatz.
Zusammenfassung und Bindung von Ressourcen für ein gemeinsames Vorgehen der Händler: ein Wunschdenken.

Zur Zeit ist es tatsächlich so, dass die Händler in Österreich im Allgemeinen zu Beitragstätern bei der regulierten Abschaffung des eigenen Handelsplatzes für Dampfgeräte und Liquids mit Nikotin geworden sind. Die wenigen Ausreißer aus dieser allgemeinen Lethargie und geradezu bedingungslosen Kapitulation vor einer eigentlich in sich schon zum Scheitern verurteilten Richtlinie sind an einer Hand abzählbar und finden sich im Moment wohl nur am Wiener Rathausplatz wieder, wo zumindest versucht wird, eine Linie, eine Strategie zu entwickeln.

Dabei sind die notwendigen Informationen, um diesem Irrsinn entgegen treten zu können nicht einmal schwer zu finden. Als Beispiel sei hier der lesenswerte Blog von Jens Mellin (blog.rursus.de) erwähnt, oder auch die Beiträge auf liquid-news.com, die den Inhalt des Artikel 20 der TPD2 schön einfach aufbereitet haben.
Das wäre zumindest schon einmal ein Rechercheansatz, der weiter führt. Zu Dr. Mayer zum Beispiel, der ebenfalls gute Ansätze dazu hat, oder auch dazu, dass es zwar viel Arbeit, aber keine unlösbare Aufgabe ist, sich dem Wildwuchs der Regulierungswut der EU zu stellen und dagegen anzugehen.



Es muss ja nicht gleich eine Anfechtungsklage sein, wie gerade von Totally Wicked vorgezeigt: das kostet eine Menge an Geld und Ressourcen, die man erst einmal haben muss.
Und auch die französische Lösung, wo in einer eigenen Art von Regulierungsvorschlag gleich auch einmal der Durchmesser der Einfüllöffnungen bei den Verdampfern vorgeschlagen wird, ist nicht die Lösung für unseren Markt, für unsere Gesetzgebung.

Vielmehr kann und sollte es ein aktives Zugehen auf den österreichischen Gesetzgeber sein, der ja völlig uninformiert und auch desinteressiert an der Ausarbeitung einer eigenen nationalen Richtlinie ist. Eine eigene, nationale Richtlinie – die dann die Richtlinie der EU interpretieren könnte – das wäre das Wunschziel.

Wir Dampfer können das nicht. Wir können nur unterstützend tätig sein – am besten durch Käufe, damit der Markt und die Händler leben können und uns wieder und weiter mit Boxen, Mods, Verdampfern, Liquids und Aromen versorgen können.

Anders gesagt:
Die Händler haben hier eine große Holschuld, die noch nicht bedient worden ist. Noch wird vereinzelt theoretisiert, statt gemeinsam praktisch gehandelt.
Dieses Manko gilt es jetzt – und nicht übermorgen – auszumerzen und den tatsächlich drohenden Todesstoß der Missgeburt des Artikel 20 der TPD2 in eine Chance für den Markt und auch uns Dampfern zu wandeln.

Ein Denkanreiz:

Aromen fallen unter das Lebensmittelrecht
Liquids sind Genussmittel
Nikotin ist kein Suchtgift
Dampfgeräte, Liquids und Aromen sind keine Tabakwaren
Kennzeichnung und Auszeichnung für Lebensmittel sind obligat und erprobt
Hersteller müssen in die Pflicht genommen werden und ihren Teil dazu beitragen, dass ihre Waren verkauft werden können.

Ich bin der Meinung, dass es falsch ist, darauf zu hoffen, dass schon irgendjemand Anderer irgendwas lösen wird. Oder anders gesagt: es kann sein, dass Totally Wicked für Gericht recht bekommt – es kann aber genauso gut sein, dass das Gegenteil eintritt.
Im besten Falle bedeutet das, dass die Richtlinie auf den Stand von 2012 zurückgesetzt wird und die EU aus ihren Fehlern lernen wird. Im schlimmsten, dass wertvolle Zeit mit Warten auf Godot vergeudet wurde, die dann schlicht fehlt, um eigene kreative Vorschläge professionell auszuarbeiten.
Es bleiben nur mehr wenige Monate, um hier aus eigener Kraft Vorschläge auszuarbeiten, mit Gutachten zu untermauern, eine Sachverständigen zu benennen und politisches Lobbying zu betreiben, um einen eigenen praktikablen Vorschlag zur Umsetzung der TPD2 einzubringen.

Die Händler müssen verstehen lernen, dass sie gerade Teil von etwas völlig Neuem sind – dass hier ein neuer Markt am Entstehen ist, der so gewaltig ist, dass er Regierungen auf den Plan ruft und milliardenschwere Industriezweige gemeinsam mit 28 Finanzministerien am Spieltisch sitzen, die nur ihre eigenen Interessen vertreten.
Ein neuer Markt, der nun mit einem ersten Regulierungsversuch umgeordnet werden soll.
Und das mit allerlei kreativen Ansätzen – von der angeblichen damit zu behebenden Unsicherheit von Herstellern, Händlern und Verbrauchern über die Jugendschutz-Keule, den in Wahrheit nicht erklärbaren gesundheitlichen Bedenken bis hin zu fiskalpolitischen Erwägungen, die in noch kreativeren Wortschöpfungen versteckt werden.

Kleingeistige Streitereien, meist um des Kaisers Bart, unter den Händlern – wer wann wie oft wo erwähnt wird, sollten der Vergangenheit angehören und dürfen zukünftig keine Rolle mehr spielen. Einigkeit muss dort Platz greifen, wo der Futterneid am (noch erreichbaren) vollen Trog vorherrscht.
Sonst gibt es schlicht keinen Trog mehr.....

Der Artikel 20 der TPD2 war nicht mehr und nicht weniger als ein Muss:
Die Händler und Hersteller haben es verabsäumt, eine der Grundregeln der Marktwirtschaft zu befolgen und haben ihr Produkt, ihre Branche schlicht nicht beworben – und zwar, wo es darauf ankommt.
Jahrelang wurde es unterlassen, einen Teil des Umsatzes dafür aufzuwenden, um das allen Dampfern bekannte Gute am Dampfen unter die Leute, in die Medien und in die Politik zu bringen.
Statt dessen wurde dieser Platz der unheiligen Martina überlassen, die Tun und Lassen konnte, wie es ihr gefiel.
Das gesamte Auftreten nach außen hin hat man schlicht ein paar engagierten Bloggern überlassen, die dafür auch nicht gerade viel an Dank erfahren haben.
Deshalb hat das Dampfen auch den negativen Medienwert, den es jetzt eben hat - weil nichts dafür getan wurde, das anders berichtet wird und genau deswegen war es ei Muss, das die EU derart überzogen reagiert: weil das Dampfen dank Martina und Co derart verrufen ist, dass einem übel wird.

Mein Rat an dieser Stelle und meine große Bitte an die Händler und Hersteller – weil ich nicht in fünf Jahren einer kriminellen Handlung beschuldigt werden möchte, wenn ich dampfe:

Rund 300.000 Dampfer in Österreich müssen sich auf Euch verlassen – also kommt endlich in die Gänge, verdient Euch Euer Geld und reguliert Euch den Markt selbst! Jetzt habt ihr noch die Chance, aktiv mitzuwirken und mitzugestalten.
Nach dem Mai 2016 seid ihr nur noch Beifahrer und wir Dampfer diejenigen, die mit Euch leiden werden – obwohl wir Euch dafür bezahlen, dass wir unser Liquid und unsere Hardware uneingeschränkt kaufen können.

Das könnte in wenigen Monaten unerreichbar werden für uns:





Wir lesen uns nächste Woche wieder, wenn es dann heißt: zwei Brüder und die Idee zu einem außergewöhnlichen Stück Handwerkskunst – KuK – fast schon ein wenig Dampfermonarchie

Vape on!

Autor: Felix
Bilder: Felix, google
Links:

Amtsblatt der Europäischen Union zur TPD2




Mittwoch, 2. September 2015

In einem (un)bekannten Land …

... come in and don't ask ...


Liebe Leute, wir erhöhen ein wenig die Schlagzahl: wir nähern uns in großen Schritten unserem Ziel und haben noch so einiges zu berichten, bevor wir im Printmedium veröffentlichen.
Die Recherchen laufen sehr gut wir lieben diese Branche - auch wenn wir manches Mal auf wenig Gegenliebe stoßen ;-)

Auf das heutige Interview haben wir uns ausgesprochen gut und intensiv vorbereitet: noch ein wenig tiefer recherchiert als normalerweise für so eine Geschichte nötig sein sollte, sind als „Kunden“ ein wenig öfter nachfragen gegangen als üblich, haben ehemalige Mitarbeiter, Partner und Kunden im Vorfeld besucht und befragt und schließlich sind wir dann zu dritt zu einem Besuch in die Liquidworld aufgebrochen.

Warum dieser Aufwand?

Schon im Vorfeld mussten wir erkennen, dass der Kommunikationswille auf seiten der Liquidworld wohl nicht so ausgeprägt ist, wie er sein könnte und dass es schwierig werden könnte, Antworten auf unsere Fragen zu bekommen.

Der „First Contact“ mit der Liquidworld war schon im März diesen Jahres – also vor rund einem halben Jahr.
Jetzt sechs Monate später und rund zwei Monate vor dem Ziel, eine informative Artikelserie im größten österreichischen Tagesmedium zu veröffentlichen, war es an der Zeit, diesem (un)bekanntem Land einen Besuch abzustatten und dem Regenten „Manfred I.“ unsere Aufwartung zu machen.

Dieser Spruch am Eingang der Zentrale machte Hoffnung:

Der Werbeständer vor dem Eingang zum "Flagshipstore" in 1220 Wien ...


Flagshipstore 1220 Wien

Flagshipstore 1220 Wien

Flagshipstore 1220 Wien

Wobei die Zentrale gar nicht so leicht zu finden ist, weil auf der Startseite der Webseite www.liquidworld.eu der Rennweg als Flagshipstore angegeben ist.
(Liquidworld.eu haben wir von der Etikette eines Liquids, dass wir uns bei einem Testkauf gekauft haben.)

Screenshot der Webseite "liquidworld.eu" - das Bild ist von 123rf und wird dort so beschrieben:
"Junge männliche Forscher betrachten den Objektträger in der Life-Science (Forensik, Mikrobiologie, Biochemie, Genetik, Onkologie ...) Labor. Weiblich asistant Wissenschaftler arbeiten im Hintergrund." - also kein Bild aus dem Betrieb.
Tatsächlich ist die Zentrale natürlich am Rennbahnweg und nicht am "Rennweg" zu finden.

Dabei hat uns aber leider weder die Unterseite „Rechtliches“, noch die Unterseite „Impressum“ der Webseite von Liquidworld.eu geholfen (siehe Bild oben), sondern Tante google und dann liquidworld.at ...
Wobei wir hier schon anmerken müssen, dass die Webseite liquidqorld.eu – und hier vor allem das Impressum – mehr als nur bedenklich ist und das hätte dem Inhaber schon aufgrund seiner selbst dargestellten Ausbildung  - die wir leider nicht in einem Gespräch erörtern konnten - (Auszug aus der Firmengeschichte: ... 2009 - Gründung der EDV Achleitner - Spezialisiert auf Arztsoftware und E-Card Programmierung) nicht geschehen dürfen....

Screenshot der Seite "Impressum" von "liquidworld.eu" - da muss noch nachgearbeitet werden ...

Scheint alles ein wenig lieblos und oberflächlich – na, vielleicht täuschen wir uns …..

How ever, wir waren schließlich vor Ort und sind hoch motiviert in das Geschäftslokal rein gegangen.
Eine Menge Fragen wollten beantwortet werden:

Wieso findet man auf den Liquidflaschen den Hinweis, dass sie vom TÜV Nord und der TU Graz geprüft sind, wo doch „nur“ einige wenige Geschmacksrichtungen und auch diese nur auf einige wenige Schadstoffe geprüft worden sind? Wozu diese Werbemaßnahme, die eigentlich nicht notwendig und nur irreführend ist?

Liquid "AIR" - ohne Nikotin - wurde laut Prüfbericht TÜV Nord und laut der toxikologischen Bewertung von Prof. Dr. Bernd Mayer nicht explizit geprüft. Geprüft wurden: Liquids mit den Geschmacksrichtungen "Waldfrucht", "Lucky Moods", "Blue Angel", "MA", "Blueberry" und "Tobacco" mit jeweils 5mg Nikotin
Anmerkung: das Logo wurde - da keine Erlaubnis vorliegt - unkenntlich gemacht.

Wieso findet man keinen Hinweis darauf, wo die Liquids hergestellt werden – mit einigen Ausnahmen, die dann auf eine Firma Aromatis zeigen? Wieso nicht bei allen?

(Als Beispiel wie es geht, haben wir hier die Dampfbar, Planet Vapes, die Dampfhütte, wo es Beipacktexte, genaue Aufschlüsselungen, etc... gibt.)

Welche Basen werden verwendet? Welche Aromen von welchem Hersteller, oder werden diese selbst extrahiert?
Woher stammt das Nikotin?
Sind sie selbst Hersteller, oder vertreiben Sie Liquids anderer Hersteller – als White Label quasi – mit Ihrer Marke versehen?
Wenn Sie selbst herstellen: dürfen wir die Produktion besuchen?

Und dann natürlich die wichtigen Fragen: wie sind Sie zum Dampfen gekommen, wo sehen Sie sich selbst und Ihr Unternehmen in fünf Jahren, etc...

Eine wichtige Frage wäre dann noch gewesen:
Sie haben in Ihrem Geschäftslokal in Wien Simmering eine Menge an Klonen liegen – auch als „Clone“ ausgewiesen. Von den diversen Kayfuns und noch einigen Verdampfern mehr  bis hin zu einer ganzen Reihe von mechanischen Mods.
Warum Clone?

Geschäftslokal außen in Wien Simmering ....

Ich gehe also rein in das Geschäft, stelle mich an der Theke beim Verkaufspersonal vor, frage nach dem Chef und ob er für ein Interview da ist und treffe denselben dann auch gleich um die Ecke.

Noch einmal: ich stelle mich vor, stelle meine Arbeit vor und frage um ein Interview.
„Kenne ich nicht...“
Kaum vorstellbar, da wir bereits miteinander zu tun hatten, aber gut, ich spiele mit und ergänze um meinen Arbeitgeber (das österreichische Tagesmedium) und frage noch einmal um ein Interview.
„Nein.“
????
„Schicken Sie die Fragen per Mail und ...“
Ich unterbreche:
„Verzeihung, nein, das werde ich nicht tun. Jetzt bin ich schon da und wenn Sie sich ein wenig Zeit nehmen könnten, dann würde ich gerne mit Ihnen über Sie, Ihr Geschäft und das Dampfen im Allgemeinen plaudern.“

(Eine kurze Erklärung, warum ich hier gleich abgeblockt habe: Die erste Antwort war „Nein“ - damit war klar, dass ich auf meine Mail keine Antwort bekommen werde. Das habe ich in den letzten Jahren immer wieder erleben müssen, wenn sich jemand vor einem Interview gedrückt hat..... Außerdem habe ich bereits vor einigen Monaten eine Mail geschickt und bis heute keine Antwort bekommen....)

„Nein. Das geht nicht.“

Ich: „Nun, der Artikel kommt so und so – egal, ob mit Ihrem Statement, oder ohne. Wenn Sie keines abgeben, nehmen Sie sich die Gelegenheit, Ihre Sicht der Dinge in einem Gespräch darzulegen.“

Der Herrscher über Gedeih und Verderb der Welt der Liquids dreht sich um und verschwindet in Richtung einer Tür – nicht ohne sich noch einmal umzudrehen und zu ermahnen: „Da müssen Sie aber die Leute, also die Kunden fragen, ob sie die fotografieren dürfen.....“

Hm, Kunden fotografiere ich nicht....

Meine Kollegen und ich stehen da und sind über dieses unprofessionelle Verhalten mehr als nur erstaunt.
Es hätte viele Wege gegeben, dieses Interview nicht zu führen – dieser hier war definitiv der, der uns neugierig gemacht hat.

Zurück in der Redaktion haben wir uns auf die Spurensuche gemacht. Nur ein wenig und nur ein bisschen an der Oberfläche kratzen – mal sehen, ob es eine Erklärung für dieses doch etwas eigenartige Verhalten gibt.

Am Ende haben wir den Eindruck gewonnen, dass wir schlicht nichts anderes erlebt haben, als eine völlige Fehleinschätzung der eigenen Situation: Die „Liquidworld“ mag vor einigen Jahren noch der Platzhirsch gewesen sein – ein Wegbereiter, der vielen anderen (auch Händlern) erst die Tür zum Dampfen aufgestoßen hat und geholfen hat beim Umstieg und Einstieg.

Das Personal ist heute noch teilweise sehr engagiert und bemüht, geht geradezu liebevoll mit dem Kunden um und ist auch technisch versiert.

Aber die Liquidworld ist nicht mehr alleine – die gefühlte Überheblichkeit einer nicht mehr vorhandenen Vormachtstellung ist eben genau deswegen nicht mehr vertretbar: sie ist nicht mehr vorhanden.

Es gibt eine ganze Reihe von Shops, die teilweise sogar die gleiche Ware im Schaufenster haben – und noch viel mehr an Auswahl bieten und die nicht mit Informationen geizen, wo man ganz selbstverständlich erfährt, was man sich in die Lunge zieht, wer es herstellt, wo es abgefüllt wird und was in den Liquids alles drin ist. Und nicht nur die vor Jahren noch tauglichen Mindestangaben – die hier bei dem von uns angekauften Liquid nicht einmal Auskunft darüber geben, wie hoch der PG, oder VG Anteil ist, etc....

Wir haben einen Regenten erlebt, der glaubt, für sich selbst zu existieren reicht und der darauf vergessen hat, dass seine Kunden und seine Mitbewerber die Wichtigsten sind, die ihn nicht nur am Leben halten, sondern auch vorwärts bringen.

Und eins muss er definitiv noch lernen: Kommunikation nach Außen hin. Einem Journalisten den A..ch in das Gesicht zu halten ist kein Weg, sich Fragen oder Recherchen zu ersparen....

Wie immer gebe ich an dieser Stelle keine Empfehlung für den Dampfshop, heute "Liquidworld", ab – meine Eindrücke sind subjektiv und was mir gefällt, kann für Euch schon nicht mehr passend sein .
ABER:
Keine Empfehlung trifft's....

Wir lesen uns nächste Woche wieder, wenn es dann heißt: Mixdown mit Drachenblut! Fans sagen: ein Jahrhundertwurf.....

Vape on!

Autor/in: Monique und Felix
Bilder: Monique und Felix



Sonntag, 30. August 2015

Der geglückte Transfer von Wissen

...nur Neues ist informativ


Oberösterreich ist am 23.08.2015 ein gutes Stück klüger geworden - ich neige gar dazu, ein wenig dick aufzutragen und zu schreiben:

"Ein kleiner Dampfstoß für mich, aber eine große Cloud für die Community in Oberösterreich!"

... weil ich begeistert bin vom ersten Dampfer-Info-Tag, den wir in Oberösterreich erleben durften.




Über den wissensbasierten Inhalt des Infotages will ich an dieser Stelle gar nicht viel schreiben - das hat Roland in seinem Blog schon ausreichend getan.


Ich will Euch stattdessen den Background näher bringen, was wir uns dabei überlegt haben und wie es fast schief ging ....

Ganz am Anfang stand/steht unser ganz persönlicher Wunsch, möglichst vielen Rauchern das Dampfen möglichst niederschwellig so näher zu bringen, dass auch die armen Pyro-Anhänger eine ehrliche Chance bekommen, gesünder zu leben.
Einfach nicht noch ein Stammtisch (da gibt es bereits einen genialen in Wien) mehr, kein 99.tes Grillen und Dampfen, sondern eine echte und vor allem sinnvolle Veranstaltung, die Neugierigen das Dampfen, die Philosophie, den Lifestyle, die Hard- und "Soft"-ware und vieles mehr in einer coolen Umgebung so nahe bringt wie nur möglich.

Unser Kollege Franz Schobesberger aus Desselbrunn in Oberösterreich hatte dazu den Vorschlag, das Vorhaben bei ihm umzusetzen. Platz wäre genug (und wie! Ich hatte das Gefühl, in eine Fabrikhalle ins Detroit der 60er Jahre versetzt worden zu sein - MEGA!), ein Studio ist auch gleich angeschlossen (wir wollen ja auch irre Bilder machen....) und überhaupt: in Oberösterreich herrscht geradezu gähnende Leere, was Dampfershops und Infostellen angeht.

Jetzt brauchten wir noch einen, der sich auskennt.

Dazu hat sich der Alchemist aus Wien - Merlin - bereit erklärt. Und es fast nicht geschafft - dazu gleich mehr noch.

Jetzt ging es ans Klientel....
Franz hat diese Aufgabe übernommen und mit seiner Werbeagentur einen Rundruf gestartet. Innerhalb der ersten Minuten waren die Plätze schon ausgebucht....

Wie sich sehr schnell zeige sollte, sind solche "Buchungen" mit Vorsicht zu genießen und die Zahl der Teilnehmer schrumpfte in dem Maße, wie das Thermometer anstieg.... ein heißer Sommertag um den nächsten brachte die Teilnehmerzahl zum dahinschmelzen.
Also haben wir den ersten Termin verschoben: so eine Veranstaltung soll ja viele Leute erreichen.

Beim zweiten Anlauf hat es dann geklappt - die Teilnehmerzahl war akzeptabel.

Am Tag der Veranstaltung hat dann das Schicksal kräftig zugeschlagen: Eine Reifenpanne bei der Anfahrt des Alchemisten, keine neues Rad aufzutreiben (diese "Notsets" sind wirklich eine Not!) und an einem Sonntag quasi am Land einen Mietwagenservice aufzutreiben, das ist eine Herausforderung...

In der Zwischenzeit haben sich die schon anwesenden Neugierigen und "Altdampfer" in Franzens Behausung breit gemacht, den einen oder anderen Coil neu gewickelt und sich angeschnuppert.

Zeitvertreib Teil 1

Zeitvertreib Teil2

Roland in Action ;-)
Der Rest chillte, oder ließ sich von mir im Studio in Pose bringen ;-)

Hausherr Franz Schobesberger - Fotograf und Journalist beim chilligen Warten auf die Truppe aus Wien

Yep - und geknipst haben wir auch ;-)

... und Kunst fotografiert auch :-)


Mit einiger Verspätung rauschten dann der Zauberer aus Wien mit Gefolgschaft und Unmengen an Mods, Liquids, Drähten und jeder Menge an Zeugs zum Vorführen an.

Die Erleichterung war nicht nur groß, sondern umwerfend, weil wir alle es verstanden hätten, wenn ein Anruf gekommen wäre, dass der Infotag verschoben werden soll. Eigentlich hatten wir sogar damit gerechnet:
wer soll sich denn das antun wollen und 250 km in sengender Hitze zu einem Infotreffen fahren, dabei nicht nur eine Panne meistern müssen, sondern einen regelrechten Husarenritt hinzulegen hat, damit er dann bei einer ungewissen Anzahl Neugieriger Small-Talk führen soll?

Nun, Merlin hat nicht nur das umgesetzt, sondern auch eine Menge an guter Laune und unglaublich viel Wissen mitgebracht und geteilt. Einfach so - ohne, dass irgend jemand etwas kaufen, oder seine Seele verpfänden musste ;-)

Und das ist es, was wir wollten: einen niederschwelligen Zugang bieten, Wissen vermitteln ohne Barrieren, der Community zeigen, dass sie wichtig ist und den noch Pyro-Anhängern eine Tür aufstossen.

Was soll ich sagen?
Für mich war dieser eine Tag ein voller Erfolg! Und für den einen oder anderen Neuling ein besonderes Erlebnis:

Von der Pyro zum Dampfen - Richard did it ;-)
Natürlich ist so ein Event aufwendig und nicht einfach zu organisieren. Es ist etwas Besonderes, etwas Neues - es ist informativ.

Haben sich die drei Stunden Anfahrt für mich gelohnt?
Ja - absolut, weil ich nicht nur neue Leute kennen gelernt habe und coole Bilder machen konnte, sondern weil ich erleben durfte, dass eine Idee funktioniert und ein Anfang gemacht wurde, der sehr vielversprechend ist.

Das Rundherum hat sein Übriges dazu getan: die Location ist perfekt gewählt gewesen, die Leute waren sehr gut drauf und unser Alchemist aus Wien - der Merlin von Planet Vapes - hat schwer beeindruckt.

Es wird Fortsetzungen geben, das ist schon mal sicher und jeder Event wird eine Botschaft sein.


Maskottchen "Joy" - dampft nicht aber liebt Dampfer ;-)
Und ich habe auch eine Botschaft an Euch - egal ob schon Dampfer, oder noch nicht:

Vape on!

Autor/in: Monique und Felix
Bilder: Monique und Felix

Donnerstag, 30. Juli 2015

Besuch in Hogwarts

Interview mit einem Zauberer


Für diesen Blog haben wir eine Reihe von Interviews mit interessanten Menschen rund um das Thema Dampfen geführt: Händler, Erfinder, Wissenschaftler, Dampfer und Dampferinnen haben wir mit unserer Gier nach Wissen konfrontiert und dabei nicht nur viel dazu gelernt, sondern auch einen tiefen Einblick in eine ansonsten sehr mystische Branche erhalten.

Den Anfang machen wir mit unserer Interviewreihe in Wien – an einem Ort, wo nicht weit davon entfernt und vor etwas mehr als 2000 Jahren keltische Druiden gelebt haben sollen – und vielleicht sogar für den einen oder anderen „Kessel-Mythos“ verantwortlich sind.
Das sind natürlich alles Sagen und Legenden, werden aber durchaus als literarische Vorgänger der Erzählungen um den Heiligen Gral angesehen.

Und hier spannen wir gleich den Bogen zu unserem ersten Interviewpartner: von der Sage um den Heiligen Gral und den damit verbundenen Legenden rund um Artus hin zu Merlin dem Zauberer.

Und genau diesen werde ich gleich treffen....

Der Ort der Handlung ist der Laden von Merlin und Goran: Planet Vapes in 1080 Wien, Lerchenfelder Strasse 81.

Den ganzen sehr romanesken Einstieg in dieses Interview habe ich deswegen gewählt, weil mein Interviewpartner an sich wie eine Figur aus einer Erzählung wirkt:
Seine Freunde bescheinigen ihm eine ungewöhnliche charakterliche Größe, seine Konkurrenten sprechen mit ein wenig Neid in der Stimme über ihn und alle sind sich einig, dass das, was er tut, etwas Großes ist.

Apropos: die Beschreibung „groß“ trifft auch auf Merlin selbst zu. Mit gefühlten 2 Metern Größe steht er vor mir, Arme dick wie Äste und mit runenartigen und flügelähnlichen Tattoos verziert begrüßt er mich mit einem breiten Grinsen und einer angenehmen Stimme.



Der junge Mann mir gegenüber ist eigentlich gelernter Kommunikationstechniker, ein begeisteter Hobbykoch, Ehemann und Vater eines wenige Monate alten Sohnes, heisst tatsächlich Merlin mit Vornamen (kein Künstlername!), ist erst 22 Jahre alt und drauf und dran, dem Handel mit Dampfutensilien seinen Stempel aufzudrücken!

Ich sehe mich in seinem Laden um und muss feststellen, dass ich etwas Ähnliches bisher nur aus den Hochburgen der Dampferei aus den USA und von Bildern kenne: Unmengen von stylischen und modernen Dampfuntensilien ringen um einen Platz in den gläsernen und beleuchteten Vitrinen im sehr großen Hauptverkaufsraum und noch mehr an offenbaren Einzigartigkeiten drängen sich im hinteren Verkaufsraum um den besten Platz für das Auge des Betrachters.



(Ich merke an: mein Haben-Will-Virus rotiert am Stand....)

Was mir hier noch auffällt ist eine Türe, die sehr massiv wirkt und mit zwei hochmodernen Schlössern gesichert ist. Das ist auch gleich meine erste Frage: „Wo geht es da noch hin?“

„In den Clubraum und den sterilen Bereich, wo die Liquids gemischt werden.“

Ah! Da geht’s also ins Innere von Hogwarts! Dazu muss ich dann natürlich noch einige Fragen stellen.

Zurück zum Interview:

„Merlin, Du bist erst 22 Jahre alt und hast Dir hier schon ein kleines und sehr feines Imperium aufgebaut. Dein Kunden kommen aus der ganzen Welt! Was ist Deine Vision?“


Lacht und sagt: „Als Marktführer den Menschen die beste Ware verkaufen, die es gibt – so einfach.“ Dabei greift er in eine der Vitrinen nimmt eine schwarze Box heraus und zeigt sie mir: „Solche mechanischen Akkuträger zum Beispiel, die teilweise noch in Handarbeit auf den Philippinen hergestellt werden und wo ich einzigartige Kontakte zu den Herstellern habe: High-end und high-performance Geräte für den Profi. - Oder hier, Liquids aus den USA, die es teilweise auch nur bei mir gibt.“

„Nun, das sind dann wahrscheinlich Premiumgeräte, die sich nicht jeder leisten kann?“

„Nein, im Gegenteil: ich habe viel Zeit in den Aufbau eines Netzwerks gesteckt, das es mir ermöglicht, zu sehr fairen Preisen anbieten zu können. - Außerdem biete ich zusätzlich etwas an, das ich bei vielen anderen Händlern vermisse: die besten Basen und Aromen aus den USA.
Und natürlich führe ich auch die ganze Palette von Einsteigergeräten, die gängigsten Tankverdampfer, geregelte Boxen bis hin zu den neuesten Erscheinungen am Makrt, die ich oft schon in der Auslage habe, wo die Kollegenschaft noch in der Vorbestellugnsphase ist - weil ich auch zu den chinesichen Herstellern sehr gute Kontakte pflege.
Dazu kommen noch die High-end Utensilien, wie spezielle Watte und Drahtlegierungen für die Profidampfer." 



„USA, Philippinen – warum gerade von dort? Die Lieferkosten sind ja enorm, soviel ich weiß?“

„Weil es in diesen Ländern eine vergleichsweise lange Tradition und viel mehr an Know-How zum Thema Dampfen gibt. Schau, die erste echte E-Zigarette wurde 1963 von einem Amerikaner erfunden und zum Patent angemeldet und die ersten mechanischen Akkuträger kommen von den Philippinen. Da lag es nahe, dass ich mich am besten Markt orientiere.“

Und Merlin hat recht: hier das Patent der ersten E-Zigarette, die von Herbert A. Gilbert entwickelt wurde.

Originalpatentanmeldung von Herbert A. Gilbert

Der Mann kennt sich aus, das kann schon mal gesagt werden. Und er hat ein klar definiertes Ziel.

Nächste Frage:

„Der sterile Raum unterhalb des Verkaufsraumes, wozu brauchst Du den?“

„Ich mische selbst meine eigenen Liquidlinien. Handmade in Österreich, in hochwertigen Verpackungen, perfekt gemischt. In einzelnen Liquids findest Du bis zu 15 verschiedene Aromen und da nehme ich nur die besten, die es am Markt gibt.“

„Die werden dann wie teuer sein?“

„In etwa in dem Bereich, wo sich jetzt auch die üblichen Verdächtigen tummeln – halt mit mehr an Qualität und aus Österreich.“

„Und der Club-Raum – wofür ist der gedacht?“

„Dort finden Seminare statt: richtig mischen, wickeln und noch vieles mehr, was Dampfer wissen sollten und auch wollen – die Nachfrage ist unglaublich groß. Ich halte nichts davon, mit dem Wissen hinterm Berg zu halten: die Menschen – egal ob Kunden von mir oder nicht – sollen alles das wissen, was ich auch weiß. Je mehr, desto besser.“


In einer kurzen Pause beim Interview, kann ich eines seiner neuen Liquids testen und bin jetzt noch hingerissen von der Komposition: den Beinamen „der Zauberer“, den hat er offenbar nicht zu Unrecht bekommen.

Eine Empfehlung geben wir an dieser Stelle nicht ab – genauso wenig, wie wir das auch in Zukunft bei anderen Händlern, Entwicklern und Herstellern machen werden:
Es sind sehr subjektive Eindrücke, die wir gewinnen und was uns zusagt, kann für jemanden anders schon wieder völlig falsch sein.

Aber eine persönliche Meinung, die gibt’s schon: Hogwart ist tatsächlich in Wien zu finden – ohne Harry Potter zwar, aber dafür mit Merlin dem Zauberer als Druide und sympathischen Dampfer.
Der Besuch hat Spaß gemacht und für mich steht fest, dass ich wieder komme – als Kunde.

Vape on!

Nächste Woche: „die Drei von der Dampfstelle“

Autor: Felix



 

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